La dolce vita und Tomaten

La dolce vita und Tomaten

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Ich schwimme in Tomaten. Dieses Jahr haben die Pflege und die Pflanzen williges Wachstum hervorgebracht. Sechs Pflänzchen haben sich erst an ihrem eigenen Tomatenstab empor gearbeitet. Zwei schwarze Vögel dachten mit den kleinen hellgrünen Früchtchen Spiele spielen zu können, sie empfanden mich als Störenfried, wenn ich zum Gießen und zum Blattauskeizen an den Tomaten war, und lauerten darauf, sich gleich wieder in die Pflanzen zu stürzen. Ein Pflanzennetz schaffte Abhilfe. Die starken Triebe forderten bald eine Stütze, die Jochen ihnen aus Holz baute, um einen gemeinschaftlichen Zusammenbruch zu vermeiden. Ich hätte nie gedacht, dass Tomatenäste so schwer werden können. Die Ernte startete vor Wochen. die Orangenen waren die ersten, dann die nächsten weiter bis zu den Fleischtomaten und Ochsenherzen. Eine Sorte köstlicher als die anderen. Zwei Tage Sonnenpause geben uns eine Verschnaufpause bei der Ernte. Wir essen Tomaten in allen Variationen. Als Tomatensalat, mit Knoblauch und Puderzucker getrocknet aus dem Backofen, als Auflauf, Soße, mit Spinat, sehr italienisch, Jochen ist da sehr erfinderisch. Ich empfehle auch pur, direkt vom Strauch. Der Duft ist betörend.

Sie sind nicht nur ein Gaumenschmaus sondern auch Augenschmaus. Und so ist es unvermeidbar, die strahlenden Früchte abzulichten.

Die Vielfalt nicht nur der Sorten dieser wunderbaren Frucht, sondern auch der Fotografie scheinen grenzenlos. Ich habe das Gefühl, da geht immer noch etwas. Über die Jahre haben sich so einige Shootings ergeben:

Die Tomate

Die gemeine Tomate besitzt einen prallen Körper und einen saftigen Kern und findet auf unseren Tellern ihren Platz.

Sie sind nicht sehr empfindlich und später kann sie ihrer eigentlichen Bestimmung zuführen werden. Sind sie nicht eine Pracht?

MakroAufnahme

Eine MakroAufnahme bietet viele Möglichkeiten – von Innen bis Aussen gibt es verschiedene wundervolle Ansichten. Der Reiz entsteht bei der Schärfenverteilung.

Gruppenfoto

Ein Gruppenfoto wird spannend durch das Arrangement. Hier steht die grüne Tomate im Fokus. Mit diesem kann man aber auch spielen und schon ist eine andere Tomate der Superstar.

TopView

Das Bild von ganz oben auf das Motiv die derzeit gefühlt gängigste Methode von Foodfotografie.  Auch oder durch die HandyFotografie gehören Bilder aus dieser Perspektive zu unserem Alltag. Mit der Kamera bietet sich der Einsatz eines Stativs mit einer kippbaren Mittelsäule an. Die Kamera sicher auf dem Stativ befestigt kann man sich auf das Arrangieren der Objekte im Bildraum oder soll ich sagen Bildfläche konzentrieren.

Es gibt Stab-, Busch-, Strauch-, Cocktail-, Cherry-,  Fleischtomaten, Paprikatomaten, grüne Tomaten und noch viele mehr. Diese fruchtigen schönen Körper bieten eine Vielfalt an Farbe und Formen. Davon abgesehen ist der Geschmack auch nicht zu verachten und kochtechnisch sind sie auf vielerlei Weise einsetzbar.

Die Vielfalt abzulichten ist ein Vergnügen und Tomaten auf die Bildfläche zu verteilen, macht einfach Freude, von dem ersten Zufall und Blick durch die Kamera hin bis zum Arrangement.

FARBKOMBI

Verlockend! Sind sie nicht unheimlich schön?

Das Portrait einer Tomate

Eine eitle Tomaten, mit grüner Zierde. Ich hätte ihr mehr Raum oben geben dürfen.

TomatenAkzente

Tomaten mit Gegenständen kombiniert ergibt wunderbare Arrangements. Hier wurde die rote Tomate in eine Fläche mit Besteck auf den Punkt eingesetzt. Der Bildgestaltung kann freien Lauf gelassen werden.

TomatenStillleben

Fast andächtig ruht die kleine Tomate stylisch auf der Gabel. Ein wunderbares Stillleben.

Unterwasser Shooting

Eine Tomate unter Wasser in einem Glas bietet neue Herausforderungen. Spiegelungen, Schärfebereich, Licht und Schatten, die Herausforderung Glas. All diese Punkte bieten ganz viel Spielfreude.

Table Top

Tomatenstillleben in Tabletop Umgebung soll heißen, ich gestalte mit einem Untergrund – meistens Tonpapier – eine Hohlkehle und gestalte Licht von den Seiten um Objekte herauszuarbeiten. Das kann natürliches Licht von einem Fenster sein, aber auch Dauerlicht oder Blitz sind möglich.

Low Key

Eine wunderbarer Tomatenkörper wächst aus dem Dunklen und entwickelt so eine ganz samtige rote Kraft. Tomaten in Kombination mit sparsamen Licht läßt die Frucht spürbar greifbar werden.

Durchleuchtet

Die Schönheit der Tomate wird von Licht durchflutet. Einem Röntgenblick gleich kommt das Innenleben der Tomate in Scheibchen geschnitten zur Geltung. Platziert auf Milchglas mit Gegenlicht von unten. Es ist wie ein Rausch, wenn man damit einmal angefangen hat. Ich habe viele Früchte aufgeschnitten und durchleuchtet.

Spiegelung

Spiegelungen entstehen wenn das Licht günstig auf glatten gläsernen Oberflächen scheint. Der Zufall war Pate bei dieser Entdeckung. Gleichzeitig ein doppeltes Augenvergnügen.

Wassertropfen

Die Tomaten kurz abgespült und auf einem Holzbrett drapiert denke ich spontan an Brotzeit. Sieht das nicht lecker aus und steigert sofort unseren Appetit auf Tomate?

Mit Hintergrund

Das Licht kommt von hinten durchs Fenster – und darf auch mit ins Bild. Oft blende ich bei Stillleben bewußt die Umgebung aus, das beruhigt ungemein, vor allem mich. Das wollte ich immer können. Hier durfte es mit Hintergrund sein.

Ein Löffel voll

Ein Löffel voller Köstlichkeiten. Diese Löffelpräsentation liebe ich. Eine Zeit habe ich alles was mir einfiel auf den Löffel gepackt. Meine Löffelphase. „The Taste“ lässt grüßen. Ob rot, grün oder gelb, Tomaten schlicht präsentiert. Wieder in Tabletop-Umgebung, Löffel auf Porzellanplatte auf Tonpapier-Hohlkehle.

In fremder Umgebung

Eine Tomate in besonderer Umgebung. Tomate und Himmel bieten eine surreale Kombination, die von der Hauswand noch unterstrichen wird. Eine Tomate auf Abwegen. Sieht sie nicht hoheitsvoll aus?

Ideen und mehr

Auf der Suche nach Gestaltung fällt mir so manches rund um mein Hauptmotiv ein. Die Tomate und das Tomatenmark – gehören einfach zusammen. Experimente mit Umgebung und Kombinationen machen einfach Spaß. Mit einer Idee und ein wenig Zeit entstehen Bilder. Bilder die ich mag.

In Anlehnung

Mit den Jahren kommt die ein oder andere Idee für die Präsentation.

So hier die a la den alten Meistern wie zum Beispiel des spanischen Malers Juan Sánchez Cotán und seiner Stillleben. Ich sah sie vor Jahrzehnten im Prado / Madrid. Ich wusste um die Dunkelheit und Räumlichkeit der fast zeitlos wirkenden Gemälde und wählte den quadratischen Rahmen, der eine minimalen Raum formuliert und die Helligkeit für meine hängenden Tomaten.

Meine alltäglich 08/15 Dose Tomate a la Andy Warhol´s Suppendose. Meine Studioatmosphäre erzeuge ich oft mit externem Blitz und entsprechenden AcrylplattenAufstellungen zum Abschattieren oder Aufhellen. Spiegel sorgen für ausgewogene Lichtbedingungen.

Ich liebe es Kunst im Museum zu erleben und zu besuchen. Wir können von diesen Bildern nur lernen. Daraus ist mein „Kunststücke-Projekt“ entstanden. Dazu ein anderes Mal mehr.

Ein Diptichon

Direkt in Italien, Venedig wurden diese beiden Tomatenbilder fotografiert. Sie gehören zusammen, ein Diptichon. Erst schlendernd über den Markt und dann in ein Restaurante, in dem auch die Handwerker ihren Mittagstisch zu sich nehmen, Tomaten Bruchetta.

Mahlzeit

Zutaten eines Nudelsalats – mit dem Essen spielt man nicht – aber es war so herrlich anschaulich, die Zutaten die diese Gaumenfreude ergaben fotografisch aufzulisten. Quasi Teamwork in der Küche. Mein Mann kocht und ich fotografiere.

Kochkurse brachten uns immer in interessante Gefilde. Hier das Anrichten einer Tomatensuppe in einem Restaurant am „Mise en place“. Bilder aus dem Handwerk entstehen.

Eine Pizza mit Tomatensoße, Mozzarella, Artischocken und Ruccola. Das hier wird meine Hälfte gewesen sein, denn es befinden sich schwarze Oliven darauf. Pizzateig und Pizzabacken ist mein Ding. Ich liebe es Teig herstellen und experimentiere gerne für den noch besseren Pizzateig.

Eine Dose Fisch in Tomatensoße, in Szene gesetzt. Diese Dose Fisch in Tomatensoße erwarb ich in Zuge meines Fotoshootings Rot. Der Duft der geöffneten Dose ist einmalig. Ich würde sie immer herausriechen. Meine Mutter teilte Freitag Abend diese Dose Fisch für meinen Bruder, sich und mich auf. Dazu gab es Brot, um die Soße aufzustippen. Es machte satt. Man konnte mich später damit jagen. Wer kann sich an Fisch in Tomatensoße erinnern? Zu meinem Erstaunen gibt es sie immer noch.

Ambiente

Nicht zu verachten – trotz nicht idealen Fotobedingungen ist die Situation und der Ort förderlich für ein Stimmungsbild. Hier leckere Tomatengerichte im Venezianischen Herbstlicht. Zur Mittagsstunde im Freien. Ich erinnere mich an diese Mittagsstunden, in denen die Sonne warm war.


Die etwas käselastige Margarita gab es auf dem Lido, unsere erste Anlaufstelle, immer, wenn wir dort ankamen. Hat das Restaurant auf oder nicht. Das regelt den Blick auf „Ist es noch Saison oder nicht!“

Lasagne, und andere Köstlichkeiten direkt in Venedig. Auch hier eines unserer Lieblingslokale, ein wenig abseits. Die Jacke ausgezogen saßen wir da und genossen den Blick auf die Lagune. Dieses Licht und die Bildfarbe gibt es quasi als Geschenk. La Dolce Vita!

Alltäglich

Heute nehme ich gerne Alltägliches im Istzustand auf, wie diese Tomatendosen hier in ihrer natürlichen Umgebung. Es hat alles seinen Reiz, sie zu isolieren und zum Star zu machen lehrt das Studieren der Form, des Körpers, der Eigenheiten wie Schatten, Blickwinkel, initiiert eine Momentverliebtheit in das Objekt. Beim „Alltäglichen Bild“ vordergründig einem „Schnappschuss“ gleich, zeigt sich, dass der Blick geschärft ist, das Motiv herausgearbeitet und die Umstände genutzt werden. Ansonsten ginge man blicklos vorüber. Meine Kamera ist immer dabei. Natürlich muss ich bei Tomatendosen immer an Andy Warhols Dosenbilder denken. Ich denke an New York und die Moma, an die BilderWand von Andy Warhol. Die Hitze in den Straßen, der Lärm draussen und die Stille und Großräumigkeit im Moma. Das Rattern der Subway in den Bahnhöfen und in unserem Hotelzimmer. Und diese TomatendosenMarke ist die Lieblingsmarke meines Mannes. Natürlich nur mit ganzen Tomaten ohne Gewürz. Was diesem Bild aber keinen Abbruch verschafft. Er ist unser Koch all der köstlichen Gerichte, die er mit Liebe zubereitet. Ich feiere ihn und sein tägliches Essen und bin mir des Luxus wohl bewußt, den ich habe. Eine Köstlichkeit nach der anderen.

Mein Lieblingsbild

Ich liebe dieses Stillleben. Es ist und bleibt mein Lieblingsbild. Gerade weil Horizontlinie nicht optimal aber ganz entschieden in der Mitte. Eine klare Trennung von Hinten und Unten. Diese Schatten! Ich werde mich immer an das Fenster erinnern, das mir diese Schatten geschenkt hat.
Das Bild entstand in der Mittagspause in der Arbeit. Es ist nicht inszeniert, sonst hätte ich nicht soviel Chillisalz auf das Brot gegeben. Es ist also ein „alltägliches“ natürliches Bild. Gesehen wegen der ausdrucksvollen Schatten. Plötzlich war ich total verzückt wegen der Tönung Wand und Sideboard. Welch ein Geschenk der quälende raumerhitzende Sonnenschein auf einmal war. Und natürlich mein selbstgebackenes Brot! Mein ganzer Stolz. Ein Butterbrot mit Chillisalz. Puristisch und doch Luxus. Die Tomate als Ergänzung, denn die fruchtig süße Säure der aufgeschnittenen Tomatenviertel ergänzt ganz wunderbar das herzhafte rustikale der röschen Brotrinde. Eine Komposition. Hier ist Geschichte drin. Meine Geschichte, der Betrachter erweckt seine Geschichte – bestenfalls.

Fazit

Tomaten sind sehr fotogen. Fantastische Modelle, sie halten erstaunlich gut durch und lassen sich geduldig positionieren. Weder Temperatur noch Lage beeinträchtigt ihre Form. Frisch und appetitlich kommen sie ohne Anstrengung rüber. Ihre Oberfläche lässt sich perfekt aufhellen oder abschattieren. Tomaten lassen sich ohne Aufwand, also keine Handschuhe, Druckstellen oder sonstige Empfindlichkeiten Fotografieren. Sie sind hinterher immer noch genießbar und nehmen keinen Schaden. Das ist wohl das Beste, was man in Verbindung mit Fotografie sagen kann.

Ich für meinen Teil bin erstaunt über die Jahre, die ich unter anderem auch Tomaten regelmäßig fotografiere, welche Entwicklung geschieht. Wo meine Schwerpunkte waren, an welcher Stelle jeweils der Rausch im Fotografieren ausgelöst wird, welche Ergebnisse ich erziele, wohin es mich geführt hat. Mein Wandel durch die Möglichkeiten der Fotografie, der Haltung, die Absicht erzählt sich in diesen Bildern.

Alltägliche Motive reizen mich sehr. Sie sind verfügbar. Es entsteht kein Beschaffungsdruck. Ich nehme was vorhanden ist, sei es am Motiv, Umfeld, oder (Kamera)Technik. Die vorhandenen Möglichkeiten bietet genug Einschränkung, um Ideen zu entwickeln, ein Spiel zu spielen, Grenzen zu ertasten. Diese Motive, hier die Tomaten, in den Fokus eines Bildes zu rücken und ein wenig Zeit und Verliebtheit mit ihnen zu teilen, bereichert mein Leben.

Ich bin ein Augenmensch und sehe für mein Leben gerne. Lockt mich ein Motiv, entsteht eine Idee, dann kann ich nicht widerstehen. Die Kamera ist immer dabei.

Liebe Grüße

Doro


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