Mein heutiges Ich

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Ich male, also bin ich.

Ich nehme den Pinsel wieder in die Hand, und den Spachtel, Leinwand, Papier, Lacke, Farben und Stifte. Werkzeuge aller Art.

Ich sage „wieder“, weil ich immer schon groß gemalt habe, mehrere Jahre selbständig war mit meinem Atelier „doroART Kunst und Kurse“ mit Ausstellungen in München und Umgebung, Stuttgart; Malkurse / Workshops in meinem Atelier, Kindergärten und Altenheimen. Leinwandformate 100 x 100 war normal, gerne größer 100 x 160, 80 X 100 mal ein anderes Format oder 60 x 60 passt an viele Wände. Eine Übersicht meiner Malerei findet sich hier.

Ich tobte mich gerne aus an der Leinwand, mit Farben, Material und Werkzeug. Pigmente anrühren, Strukturen anlegen, Schicht um Schicht Farbe greifbar machen in all ihren Facetten.

Das war ich. Laut, zufrieden, zerstörend um wieder aufzubauen, leidenschaftlich. Es floss kein Blut durch meine Adern, es war Farbe. Malen war mein Generator für noch mehr Energie. Energie für den Alltag. Ich hatte mich beim Malen nicht verbraucht. Ich blicke diese Gemälde an und staune ob der Kraft, die sie ausstrahlen.

Seit ich in Ostfriesland die Weite, Ruhe und Abgeschiedenheit genieße, nehme an meinem Experiment teil, dessen Ausgang, offen ist. In meiner Krankheit (Long Covid) probiere ich Farbe als mentale Unterstützung, in therapeutischer Dosis: in klein, auf Spielkarten oder Aquarellpapier, ein bisschen leise, auf keinen Fall laut. Es ist ein Abenteuer, verbraucht es mich oder komme ich mit Maßhalten damit zurecht. Ich kann mir eine kurze Sequenz Malerei gönnen, leicht, freundlich, kleinformatig, auf Papier, nicht zu hart auseinandersetzend, in den Fluss kommen, mir etwas Gutes tun. Es ist meditativ. Erschöpfte Freude, durch Ablauf einer begrenzten Zeit und Format ich etwas in die Hand halte, das ich selbst erschaffen habe. Der Prozess ist das Ziel. Ich bin so glücklich, wenn Farbe an meinen Fingern klebt.

Ich habe beschlossen, etwas größer mit den Bildformaten zu werden und auf Leinwand und Holzpaneele zu experimentieren. Dies bedarf zwingend, anders vorzugehen. Ich erledige also nur kleine wohldosierte Aktionen „einen Handstreich“, mal da eine Schicht Collage, dort einen Farberguss, Pinselstriche, eine kleine Spraysession, eine Waschung und mit der Zeit entsteht ein großes Ganzes. Ich lerne erstaunlicherweise Geduld. „Geduld“, die mir immer für meine Krankheit gepredigt wurde. Oh, wie ich das Wort nicht mehr hören konnte.

Amuse Yeux / 2026

30 x 30
Acryl, Collage, Ölwachskreide, Spray auf Leinwand

Spannend zu erleben, wie anders meine Bilder werden. Aber auch ich bin über die Zeit ohne Malerei und mit der Krankheit eine Andere geworden. So ist es nicht verwunderlich dass sich mein Ausdruck in der Malerei zu einem kleinen Abenteuer mit mir selbst entwickelt.

Ich liebe Markierungen, Ebenen aus dem Untergrund freizulegen, die mir neue Impulse auslösen. Sprayen macht Spass, Lacke und Ölpastelle sind kein Widerspruch.

In der Zwischenzeit steht oder hängt das jeweilige Gemälde im Flur. Ich gönne diesem Bild mindestens hundert Mal einen Blick. Es spricht mit mir, wir gehen einen gemeinsamen Weg. Es darf sich entwickeln.

Zeit ist eine wunderbare Zutat, die ich früher mit Power und Tatendrang zur Seite gedrängt habe. Aber Zeit schafft neue Perspektiven.

Hier Detailansichten, die gesehen und vielleicht bearbeitet werden wollen.

Ich übe Haushalten mit Energie und Einsatz und manchmal ist weniger mehr? Das ist die Frage aller Fragen, ob da jetzt ein Fragezeichen den Satz beendet.

Fotografieren – meine Kamera ist immer mit dabei. Dazu ein andermal mehr.
Es ist schön, solche Farbspuren zu hinterlassen.

Liebe Grüße
Doro


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