Ich schreibe, ich lebe
Vielleicht erstaunt Euch das Thema, aber ich bin eine von vielen Betroffenen. Ich habe Long Covid seit 5 Jahren. Seitdem ringe ich meinem Leben kreative Momente ab, versuche mich mit der Krankheit zu arrangieren, scheitere oft und viel. Kreativität ist mein Lebenselixier und es war ein langer Weg, diese Glitzerschnipsel gelegentlich wieder erhaschen und greifen zu können, dass sie durch den undurchdringlichen Nebel in meinem Kopf wieder auftauchen und ich nach ihnen greifen kann ohne mit leeren Händen da zu stehen und vor mich hinzuvegetieren. Heute vergleiche ich diesen Zustand mit Jack Nickolson als Mc Murphy im Film „Einer flog über das Kuckucksnest“ am Ende auf der Bank sitzend.

Mein Vorwort zu „Leben mit Long Covid„
Ich habe Long Covid – ein Bekenntnis wie bei einer AbstinenzGruppe. So bin ich, mutig und immer gerade aus. Ich schreibe ein Buch trotz kognitiver Einschränkungen, Fatique und all meinen Begleiterscheinungen durch Long Covid. Ich will meine Geschichte erzählen, für mich, meinen Mann und meine Tochter, für die, die nicht können, für die die darunter leiden, ohne selbst erkrankt zu sein. Für all die Angehörigen, Freund*innen und all die anderen lieben Menschen, die nicht wissen, was sie sagen sollen, wenn man auf ihr „Wie geht’s?“ antwortet. Sie weichen zurück, soviel unverständliche Krankheit kann nicht ausgehalten werden, und mit einem „Das wird schon wieder!“ finden sie das Weite.
Ich schreibe auch für die Liebsten, die nicht wissen, was passiert ist mit dem Menschen, den sie lieben und eine Rolle im Leben innegehabt hatte. Aber vor allem schreibe ich für die wie ich Erkrankten, die um ihre Energie ringen, sich selbst nicht mehr wieder erkennen, in Brainfrog versinken, Fatique hilflos ausgeliefert sind und sich nicht verstanden fühlen. Nichts ist mehr wie vorher.
Ich bin krank und werde schreiben, welch ein Widerspruch an sich. Deshalb wird dieses Buch ein wenig anders sein. Es liest sich vielleicht nicht in einem Stück, weil auch ich nur kleine kurze Schreibphasen kann. Ich habe es begriffen: Kurz schreiben – Pause –– Essen – Schlafen usw. Pacing ist mein OMMMM. Vielleicht kann sich eine Long Covid erkrankte Leserschaft an dieses Buch wagen. Wegen der kleinen Häppchen, Kurzgeschichten gleiche Kapitel, die ich serviere. Ihr werden Euch wiedererkennen oder vielleicht an der ein oder anderen Stelle sagen, das hätte sie besser wissen müssen, warum hat sie nicht dies oder das getan oder spannend, diesen Hinweis greife ich auf. Wir sind mehr als wir denken, Unser Wissen darum und unsere Erfahrung lässt uns nicht in die Bedeutungslosigkeit versinken. Nach meiner ersten schweren Corona-Erkrankung kam nichts gescheites mehr aus meinem Mund aber mit der Zeit entdeckte ich, dass ich mich gedanklich schreibend ausdrücken konnte. Ich empfand es als Geschenk, welches sich über die letzten 5 Jahre zu einer Leidenschaft entwickelte. Wer schreibt, lebt. Lasst Euch also ein auf dieses Abenteuer, das sich Leben nennt und schüttelt den Kopf über Menschen und Begegnungen, lacht, scheitert, kämpft und freut Euch mit mir. Es ist alles dabei.
Meine Erlebnisse um die guten Dinge dieser Zeit fließen natürlich ein.

Dieses Bild ist mein erstes, dass ich nach der Corona-Erkrankung gemacht habe. Ich lag 3 Wochen und nahm irgendwann die spannenden Veränderungen der Wolken wahr. Am Morgen waren Wölkchen vanillig und rosa dann gab es Wolkenbänder und später entschwanden große Bayrische Wolken aus meinem Sichtfenster bevor es dämmerte. Das Leben nahm seinen Lauf und ich sah dabei zu. Bei diesen hier hatte ich es geschafft, die Kamera zu nehmen und auszulösen. Die kleine Kamera wird später mein steter Begleiter, meine Krücke.
Viele Jahre und Veränderungen später begann ich mit mir ein wohltuendes therapeutisches Malen. Aus meiner Erfahrung meiner früheren Malerjahre/Atelier, Kunst und Kurse-Zeiten profitierend, tut es mir heute unendlich gut, wenn ich die Energie habe, Farbe in und an die Finger zu bekommen, kleine Arbeiten auf Papier, A6, 5, 4 entstehen und lassen sich nicht mit den Werken aus früheren Zeiten (1 x 1m, 1,2 x 1,6m ect) messen. Und reden wir nicht von Ausdauer. Meine Pausezeiten sind wesentlich länger als die Malzeiten.

Und dieses Buch, das will ich unbedingt schreiben. Ich habe den Anspruch an mich durch die Erfahrung der letzten Jahre des Wollens und Probieren auf ein hoffentlich machbares Maß reduziert, dass ich mir nicht schade oder fürchterlich abstürze und mich überfordere. 10 Minuten sind mehr als 0 Minuten, habe ich gehört 🙂
Ich halte Euch auf dem Laufenden.
Eure Doro

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