Zwischen den Dingen
Jan 2024
Vorfreude
von Doro Hartmannshenn

Ein Tisch, eingedeckt für eine Mahlzeit. Mit Tischtuch, verschiedenen Tellern die eine Menüfolge verspechen. Das Besteck ragt dekorativ zu den Tellern und scheint auf der Serviette angeordnet. Augenscheinlich befinden sich die Gegenstände welche die Geschichte erzählen am Rand des Bildes. Zu erwarten ist ein kullinarisches Erlebnis in netter Gesellschaft.
Dinge umgeben uns. Wir fotografieren sie, inszenieren sie und nehmen sie in den Fokus. Sie bekommen einen aussagekräftigen Platz, nehmen nach allen Regeln der Kunst und der Bildgestaltung präsent den Raum in unserem Bild ein.
Was aber, wenn sich mein Fokus einmal auf das „Andere“ richtet. Auf den Raum dazwischen. Was ist das? Meistens ist es Untergrund, Hintergrund, Wand, Tisch, Himmel, Luft – Nichts. Ein Raum ohne Bildaussage. Und doch wäre der Gegenstand / die Dinge nicht so präsent, gäbe es den Raum drumherum und dazwischen nicht.
Im Zuge meiner Stillleben übe ich immer wieder eine andere Blickweise. Das erfordert ein wenig Konzentration, denn die Motive drängen sich auf. Schau ich daneben, so erlebe ich besondere Bilder. Beim Malen fällt es einfacher, nur den Negativraum, also den Raum zwischen den Dingen oder von meinem Hauptmotiv bis zu meinem Bildrand wahrzunehmen und zu zeichnen oder zu malen. In der Fotografie erinnere ich mich nun selbst daran, auch einmal Raum zu schaffen und Platz zu lassen für die Räume dazwischen und drumherum.
Das Bild hätte auch anders aussehen können. Ganz sicher! Zwischenräume und Raum zum Atmen für die Dinge gibt es überall. Schau genau und probier das Sehen neu aus.
Fotografiere

Inspiration
Übe die neue Sehweise. Betrachte den negativen Raum als bedeutungsvolles Nichts – beruhigende Ruhe – eine Freude fürs Auge, einmal die anderen Dinge wahrzunehmen. Du schaust also nicht die Gegenstände, Blumen, Berge, Häuser ect. an, sondern konzentrierst Dich auf die Lücken, die Räume dazwischen, feierst den Platz zwischen den Dingen. Du erblickst neue Formen.
Stillleben
Du kannst ein Stillleben arrangieren und die Zwischenräume betrachten. Bemühe Dich darum, dass sich die Gegenstände aus Deiner Perspektive heraus nicht überschneiden bzw. optisch berühren.
Randmotive
Rücke Dein Motiv an eine Seite, an einen Bildrand. Der Raum, der Dein Motiv umgibt, ist der Negativraum. Der Negativraum wird durch deinen Bildrand begrenzt. Betrachte Dein Bild, ob die beiden Räume sich ausbalancieren und sich gegenseitig nützlich sind.
Fokus
Fotografiere ein Motiv und setze es in Deinem Bild in den freien Raum. Erspüre, welche Platzierung günstig ist, wann der Negativraum das Motiv unterstützt.
Du hast nur kurz Zeit? – Pick Dir die Fotoidee mit dem Fokus heraus, welcher Dich am meisten interessiert und mache Dein Bild.
Du hast etwas mehr Zeit, dann Feuer frei: Du kannst alle Punke in eine Fotosession einfließen lassen. Ich bin sicher, es entstehen unglaubliche Bilder – Deine Bilder.
Ich bin gespannt, welche Bilder mit Deinen drei Dingen entstehen.
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